Die Sehstörungen

Anisometropie

Mit diesem Begriff – für den es keine deutsche Entsprechung gibt – wird die ungleiche Abbildungsgröße beider Augen bezeichnet. Sie kommt meist durch eine unterschiedliche Größe der beiden Augäpfel zustande. Auch eine unterschiedliche Länge der beiden Augen bewirkt Anisometropie, beispielsweise wenn ein Auge normalsichtig, das andere jedoch stabsichtig, kurz- oder weitsichtig ist.

Bei geringen Dioptrienunterschieden der beiden Augen hat der Betroffene keine Beschwerden. Die Augen bzw. das Gehirn sind nämlich in der Lage, die etwas unterschiedlichen Bilder bzw. Bildgrößen auszugleichen. Eine starke Anisometropie – über drei Dioptrien Unterschied – kann jedoch zu Sehbeschwerden führen, weil die Bilder, die beide Augen auf die Netzhaut projizieren, starke Größenunterschiede aufweisen.

Hilfe durch Brillen und Kontaktlinsen

Mit einer Brille oder Kontaktlinsen kann die fehlende Sehschärfe bei geringen Abweichungen problemlos ausgeglichen werden. Schwierigkeiten kann es geben, wenn die Brechung der beiden Augen extrem stark voneinander abweicht, denn Brillen verkleinern bei Kurzsichtigen die Größe des wahrgenommenen Bildes. Je stärkere Brillengläser, umso kleiner das Bild. Hier ist die Beidäugigkeit unseres Sehens oft beeinträchtigt. Auch ein »kosmetischer« Nachteil kommt hinzu: Das stärker kurzsichtige Auge erscheint hinter dem Brillenglas kleiner als das weniger kurzsichtige Auge. Sinnvoller ist es, eine solche Abweichung von Dioptrien durch Kontaktlinsen auszugleichen – falls diese vertragen werden.

Anisometropie kann sowohl kurz- als auch weitsichtige Menschen betreffen, wobei kleinere Abweichungen (<1dpt) der beiden Augen allerdings seinen häufigen Normalzustand darstellen.

Praxistip: Selbst-Test eines irregulären Astigmatismus.

Schalten Sie in einem sonst völlig dunklen Zimmer in mindestens 5 m Entfernung ein kleines Licht an oder blicken Sie in eine dunkle Neumond-Nacht auf einen hellen Stern.

Die entstehende Strahlenfigur (star burst) sollte symmetrisch sein. Bei Asymmetrie besteht ein irregulärer Astigmatismus. Irregulärer Astigmatismus bedeutet aber nicht unbedingt, dass Sie an Keratokonus leiden. Eine scheibenförmige Erhellung um diese Lichtquelle bedeutet „Halo“. Auch dieses Phänomen muss nicht unbedingt mit einem krankhaften Zustand gleichgesetzt werden. Sie können mit diesem Test auch den perfekten Sitz Ihrer Kontaktlinsen überprüfen. Bemerken Sie beim Tragen von Kontaktlinsen einen stärkeren, vielleicht sogar unregelmäßigeren Starburst als mit der Brille, empfehlen wir Ihnen den Gang zum Augenarzt.

Sonderfall Ansiometropie – fehlende Augenlinse (Aphakie)

  • Eine ungleiche Brechkraft beider Augen liegt auch dann vor, wenn in einem Auge die Linse völlig fehlt. Dies kann aufgrund einer Verletzung der Linse der Fall sein, aber auch, wenn wegen einer Starerkrankung eines Auges die Augenlinse entfernt werden musste.
  • Abhilfe kann hier durch verschiedene Methoden geschaffen werden. Früher wurden sogenannte Stargläser – vergrößernde Brillengläser, die die fehlende Augenlinse ersetzen – verwendet; das aber nur, wenn beide Augen am Star operiert wurden. Sonst hätte die ungleiche Bildgröße der beiden Bilder auf der jeweiligen Netzhaut zu Doppelbildern geführt. Heute gibt es andere Möglichkeiten: In manchen Fällen können Kontaktlinsen ausreichen. Normalerweise wird heute eine Linsenimplantation (Kunstlinse) vorgenommen.

Weitere Sehstörungen

Neben den Fehlsichtigkeiten des Auges – der Kurz- und Weitsichtigkeit, der Alterssichtigkeit, dem Astigmatismus – gibt es eine Reihe von Augenkrankheiten, die das Sehvermögen empfindlich einschränken oder sogar ganz verhindern können. Mit Brille, Kontaktlinsen oder Operationen ist hier teilweise keine Besserung zu schaffen. Gleichwohl sollen einige dieser Fehlsichtigkeiten des Auges kurz Erwähnung finden: Es handelt sich um verschiedene Formen der Farbenfehlsichtigkeit (volkstümlich: Farbenblindheit), Farbenschwäche, Nachtblindheit, sowie um den grauen und grünen Star.

Drei Formen der Farbenfehlsichtigkeit

Gewöhnlich können unsere Augen etwa 160 reine Farbtöne und 600000 Farbnuancen unterscheiden. Bei einigen Menschen, meist Männern, weicht das Farbenempfinden jedoch von den normalen Fähigkeiten ab. Bestimmte Farben sehen sie nur als Grautöne weil der entsprechende Photorezeptortyp fehlt. Im Extremfall, der glücklicherweise sehr seltenen totalen Farbenblindheit, sehen Betroffene alles nur in Schwarz-, Weiß- und Grautönen.

Wer farbenfehlsichtig ist, bleibt dies sein Leben lang. Es handelt sich um eine nicht heilbare verminderte Empfindungsfähigkeit für eine ganz bestimmte Farbe. Betroffene müssen auf eine Reihe von Berufen (Kraftfahrer, Pilot, Elektriker etc.) verzichten, bei denen Farberkennung von großer Bedeutung ist. Denn wer z.B. das signalfarbene Rotlicht einer Ampel nicht erkennen kann, gefährdet sich und andere im Straßenverkehr und darf deshalb keinen kommerziellen Personentransport durchführen.